Lebensmeer

Praxis für die Gezeiten des Lebens

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Lebensmeer Praxis für Psychotherapie (HPG) Recklinghausen

Der alleingeborene Zwilling

Der Verlust eines Zwillings im Mutterleib geschieht viel häufiger als wir denken, scheinbar völlig unbemerkt. Ein trügerischer Schein, denn mindestens ein Mensch hat diesen Verlust bemerkt – der überlebende Zwilling!

Jedes Jahr kommen in Deutschland ca.10.000 Babys mit einem Zwillingsgeschwisterchen zur Welt. Zwillinge verbindet eine ganz besondere Beziehung – sie teilen 9 Monate lang den Mutterleib auf engstem Raum. Doch ebenfalls sehr hoch ist die Zahl derer, die einen Zwilling verloren haben. Wissenschaftlich wird es Vanishing Twin Syndrom (VTS) genannt.

Die körperinterne Qualitätskontrolle des Menschen ist für gewöhnlich so streng, dass ein Großteil aller Schwangerschaften in den ersten Wochen frühzeitig beendet werden, ohne dass die werdende Mutter etwas merkt. Einer solchen Prüfung fallen auch viele Zwillinge zum Opfer, etwa 20-30%, meist innerhalb der ersten 12 Wochen.

Im Verlauf der Schwangerschaft kann es eine Zwischenblutung geben, der oft keine weitere Bedeutung zugemessen wird, da die Frau weiterhin schwanger ist, Es kann auch sein, dass der Embryo spurlos mit der Plazenta verwächst (absorbiert wird) ohne, dass es später festgestellt wird.

Manchmal bleiben von einem verlorenen Zwilling Hinweise übrig, die bei der Geburt mit ans Licht kommen. Oft haben Hebammen und Ärzte dann verschwiegen was sie gefunden haben, um den Eltern die Aufregung zu ersparen. Hier findet glücklicherweise ein Umdenken statt.

Der Zwilling kann auch zu einem späteren Zeitpunkt verloren gehen, durch Fehlgeburt oder Totgeburt. Insbesondere bei Frühgeburten von Zwillingen kann es Komplikationen geben.

Wissenschaftler und Therapeuten sind in zwischen überzeugt, dass der überlebende Zwilling den Verlust im Mutterleib wahrnimmt. Aufgrund der gestiegenen Zahl der künstlichen Befruchtungen gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung.

Denn dieses vorgeburtliche traumatische Erlebnis, dass das andere Kind einfach verschwunden ist und man selbst allein zurückbleibt, kann weitreichende bis dramatische Folgen für das weitere Leben haben und sich in einer Vielzahl von Symptomen und Verhaltensmustern zeigen, die das gesamte Leben prägen können.

Ein verlorener Zwilling hinterlässt eine große Lücke in der Seele des überlebenden Zwillings, besonders, wenn der Verlust verschwiegen wird. Auch, wenn es dem Bewusstsein unzugänglich ist, das Unterbewusstsein weiß, was passiert ist und hat das Erlebnis gespeichert. Im sog. Körpergedächtnis sind alle Informationen vorhanden. Somit können auch somatische Krankheiten hier ihre Ursache haben. Sogenannte Trigger können immer wieder das Trauma aktivieren.

Wissen die Eltern von dem Verlust des einen Kindes, wird das sehr oft dem überlebenden Kind verschwiegen. Mögliche Gründe hierfür:

  • ein falsches Denken, das 2. Kind schützen zu wollen, es damit nicht konfrontieren zu wollen – was natürlich längst geschehen ist
  • vielleicht wollen sie auch nicht mit der eigenen Trauer wieder in Kontakt kommen, sie haben es verdrängt, können damit nicht umgehen
  • Die Trauer wird nicht gelebt und erstarrt im Familiensystem und das hat Folgen.

Verlassene Zwillinge

  • fühlen sich oft unvollständig, haben ein Gefühl der Leere
  • sie suchen nach etwas ohne zu wissen, wonach und kommen auch in einer festen Beziehung nicht zur Ruhe
  • haben oft Nähe – Distanz – Probleme, Angst vor dem Alleinsein und gleichzeitig Furcht vor zu viel Nähe, oder sehnen sich nach symbiotischer Nähe
  • haben extreme Angst vor dem Verlassenwerden, sie fürchten dann, ihre ganze Lebensenergie zu verlieren,
  • oder die Partner werden weggestoßen und selbst verlassen – so wird der Verlust reinszeniert
  • wenn sich der Partner verspätet geraten sie oft sofort in Panik, dass etwas Schlimmes passiert sein muss
  • Manche sind über alle Maßen eifersüchtig, sie vereinnahmen den Partner mit Haut und Haar und erreichen das, was unbedingt verhindert werden sollte àEinengung-Flucht des anderen.
  • sie kennen vor allem das WIR-Gefühl, es fällt ihnen schwer, ein ICH-Gefühl zu entwickeln, eine eigene Identität Das verhindert, ein eigenständiger Mensch zu werden
  • die Grenzen lösen sich auf, das ICH geht in der Verschmelzung
  • Viele führen eine Beziehung wie eine Zwillingsverbindung (Geschwister anstatt Partner), was sich auch oft in fehlender Sexualität Der andere wird zum Ersatzzwilling.
  • Es ist die endlose Suche nach dem Seelenverwandten.
  • viele gehen destruktive Beziehungen ein nur, um nicht alleine zu sein – Trennung bedeutet Existenzbedrohung
  • bei einer tatsächlichen Trennung oder Verlusten besteht die Gefahr der Retraumatisierung – sie stürzen in ein extrem tiefes Loch, können schwere Depressionen erleiden
  • sie entwickeln Schuldgefühle, empfinden eine Überlebensschuld Das kann zu Überanpassung und „Retterrollen“ führen, der Wunsch, es allen recht zu machen.
  • fragen sich – was habe ich falsch gemacht? Warum du und nicht ich?
  • sind oft hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl der Lebendigkeit und dann sich plötzlich wie tot zu fühlen
  • sie können ihr Leben nicht genießen – man sagt – sie können ihr Leben nicht nehmen
  • Viele möchten ihren Geburtstag nicht feiern und am liebsten einfach verschwinden
  • manche entwickeln ein Interesse an Sadomasochismus und nehmen den passiven Part ein, lassen sich für ihr Überleben bestrafen
  • es können Nachfolgetendenzen entstehen, die im unbewussten Aufsuchen gefährlicher Situationen, im plötzlichen Kindstod, schwerer Krankheit oder in Suizidalität münden können
  • verlassene Zwillinge können sich quasi unsichtbar machen, so dass sie kaum wahrgenommen werden. Dadurch entsteht bei ihnen das Gefühl des Nicht-Dazugehörens, sie werden oft einfach vergessen, als gäbe es sie gar nicht.

Ich möchte hier erwähnen, dass eine Vielzahl dieser Symptome auch auf eine früh unterbrochene Verbindung zu einem oder beider Elternteile hinweisen können.

Zum Beispiel

  • bei Scheidung der Eltern,
  • frühen Krankenhausaufenthalten – Trennung durch Krankheit des Kindes (z.B. Brutkasten) oder des Elternteils
  • Früher Tod eines Elternteils
  • Adoption
  • Späterer Tod eines Geschwisterkindes
  • Viele verlassene Zwillinge wollen das Leben für den anderen mitleben, quasi zwei Leben führen
  • viele haben z. B 2 Berufe, die sie gleichzeitig oder nacheinander ausüben
  • kaufen alles doppelt ein (Seife, Shampoo usw.)
  • haben einen knallvollen Kleiderschrank, man könnte problemlos 2 Personen damit einkleiden
  • manche führen zwei Partnerbeziehungen gleichzeitig
  • andere erleiden Identitätskrisen, vor allem, wenn das verlorene Kind das Wunschgeschlecht der Eltern hatte und sie selbst nicht.
  • Es besteht die Gefahr, dass aus Liebe zu den Eltern versucht wird, das Geschlecht zu ersetzen und zugleich männlich und weiblich zu sein. Manche versuchen, beide Identitäten anzunehmen. So dass sie auf gewisse Weise hin- und herpendeln und die Illusion leben, es sei alles in Ordnung. Das überfordert und wirkt sich auf Partnerschaft und Sexualität aus.

Ich möchte einen Appell an alle Eltern richten die wissen, dass ein Zwillingskind verloren wurde

  • Sprechen Sie so früh wie möglich mit dem überlebenden Kind über das Geschwisterkind
  • Es soll bitte kein Geheimnis bleiben!
  • Je kleiner die Kinder noch sind, umso besser – dann wachsen sie in einem anderen Bewusstsein auf
  • Und sagen Sie auf keinen Fall „Du warst doch noch so winzig klein, das das kannst du nicht bemerkt haben“
  • Sprechen Sie auch über Ihre eigene Trauer, damit das Kind auch trauern darf!

Eltern, die keine solche Information haben, aber an Ihrem Kind Verhaltensweisen entdecken, die darauf hinweisen können, z. B

  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Schreibabys können unter einer traumatischen Geburt, einer Bindungsstörung oder unter ihrem vorgeburtlichen Verlust leiden. Das Schreien kann Ausdruck von Angst, Wut oder Trauer sein.
  • Auch, extrem ruhige Babys, die sich wegschlafen, wie in einem energetischen Schock oder apathisch wirken, können einen Zwilling verloren haben
  • Die imaginäre Freundin, die immer bleibt und nicht nur eine Phase ist
  • Der Teddy, ein Plüschtier, eine Puppe, die überallhin mitmuss und wehe, sie verschwindet
  • wo die Kinder scheinbar immer suchend umhergehen oder sogar gezielt Fragen stellen – wo ist denn das andere Kind?
  • Oder sagen – auf dem Foto fehlt irgendjemand
  • Wenn größere Entwicklungsschritte mit intensiver Angst einhergehen, etwas hinter sich zurückzulassen
  • Wenn tote Gegenstände Angst auslösen und versucht wird, diese „zum Leben zu erwecken“

Eltern sollten das auf keinen Fall ignorieren und übergehen, sondern offen, empathisch und liebevoll damit umgehen.
Das kann den häufig vorhandenen seelischen Schmerz der Kinder und auch der Eltern helfen zu lindern.
Eltern können auch nachträglich mit ihren Kindern ein Ritual für das verlorene Geschwisterkind machen. Fragen Sie das Kind, die meisten wissen ganz genau, welche Art Ritual sie sich wünschen.

Der Tod des Zwillingskindes betrifft die ganze Familie. Es ist wichtig, dass die Eltern gemeinsam ihren Verlust betrauern können. Gibt sich die Mutter alleine der Trauer hin, kann es zu Spannungen kommen, weil sich der Mann entweder ausgeschlossen oder von den starken Emotionen überfordert fühlt. Männer unterdrücken oft ihre Trauer und funktionieren, weil sie es so gelernt haben. Dabei ist ihre Trauer meist genauso groß. Beide benötigen gleichermaßen Unterstützung.
Es ist ein quälender Widerspruch einerseits eine Bindung mit dem überlebenden Kind einzugehen, andererseits den Verlust des anderen zu betrauern.
Die Liebe von Müttern, die ein Kind verlieren und es nicht genug betrauern bleibt bei dem toten Kind gebunden. Das heißt, sie kann dem anderen Kind entweder nicht die Liebe geben, die es benötigt, oder, das Kind soll das tote Kind ersetzen.
Für das verlassene Zwillingskind ist es wichtig, dass auch sein Schmerz anerkannt wird. Es musste miterleben, wie das andere starb und hatte keine Chance, es zu verhindern.
Leben und Tod, Freude und Trauer sind hier extrem nah beieinander bei allen Beteiligten.

Früher wurden totgeborene Kinder einfach „entsorgt“ oder zu einem fremden Toten in den Sarg gelegt. Die Eltern hatten keine Chance, sich zu verabschieden oder das Kind zu begraben.
Heute ist es glücklicherweise anders. Man spricht von stiller Geburt und von Sternenkindern.
Es ist wichtig, dass das tote Kind einen Namen bekommt.
Die Eltern wollen es ansehen, in den Arm nehmen, viele möchten ein Foto von dem Kind und eine Grabstätte, zu der sie gehen können.
Siehe auch   https://www.sternenkindfotografie.de/    oder  https://www.dein-sternenkind.eu/                                         

Stirbt ein Zwilling im Erwachsenenalter, löst es beim anderen einen schmerzhaften Ablösungsprozess aus. Kaum eine vergleichbare Trennung löst eine größere Identitätskrise aus, die Einsamkeit ist unerträglich. Viele fühlen sich dann nur noch als halber Mensch.
Menschen, die einen Zwilling verloren haben, werden dem Thema „Verlassen sein“ und „Trennung“ immer wieder begegnen, bis sie die Trauer, Wut, Einsamkeit und Sehnsucht über den verlorenen Zwilling aufarbeiten

Wie arbeite ich in meiner Praxis mit dem Thema?
Da das Trauma in der vorsprachlichen Zeit auftritt, ist klassische Psychotherapie nicht immer wirksam. Aus diesem Grund arbeite ich mit Methoden, die auf der Gefühlsebene wirken. z.B.

  • systemische Therapie
  • Kunsttherapie
  • EMDR – Traumatherapie

Lesen Sie auch gerne meinen Fachartikel mit einem Fallbeispiel hierzu.
https://vfp.de/magazine/freie-psychotherapie/alle-ausgaben/heft-01-2023/erfolgsgeschichten-aus-der-praxis
oder hier als PDF Fachartikel

Bildquelle: Bild von Sompoch Assawachotechuangkul auf Pixabay
Textquellen:
„Am Anfang waren wir zu zweit“ Ein Buch für verlassene Zwillingskinder von Ilka-Maria Thurmann, Uta Fischer
„Der verlorene Zwilling“ Ein Buch von Evelyne Steinemann
https://www.familienplanung.de/ursachen/
https://www.welt.de/gesundheit/article152167357/Jede-dritte-Schwangerschaft-endet-mit-dem-Abort.html
https://www.welt.de/gesundheit/article3517169/Zwillinge-sterben-oft-unbemerkt-im-Mutterleib.html
https://www.qiio.de/wenn-ein-zwilling-im-mutterleib-verschwindet-vanishing-twin-syndrom/

 

 

 

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